Wertpapierdepots
Eines der ältesten Wertpapiere ist eine Urkunde aus dem Jahr 1288 - ein Anteilsschein der schwedischen Kupfermine in Falun. Bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein waren alle Wertpapiere - Aktien, Anteilsscheine, Schuldverschreibungen u.a.m. - einzeln und physisch vorhanden. Es waren tatsächlich meist auf Papier gedruckte Urkunden. Seit Beginn der Geschichte des Wertpapiers stellte aber der Besitz und Transport dieser wertvollen Güter ein Sicherheitsproblem dar. Die Aufbewahrung dieser Urkunden an einem sicheren Ort war also eine zwangsläufige Entwicklung.
Mit diesen ursprünglichen Wertpapierdepots haben heutige Wertpapierdepots jedoch nur noch wenig gemein.
Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und speziell der Einführung des elektronischen Wertpapier- und Börsenhandels wandelte sich die Funktionsweise des Wertpapierdepots. Aktien und andere Wertpapiere wurden nicht mehr in einzelnen Stückelungen vorgehalten und physisch von einem Depot zum anderen übertragen sondern nur noch virtuell. Es gibt heute zu einem Wertpapier oftmals nur noch eine einzige bei einer speziellen Wertpapiersammelbank hinterlegte Globalurkunde, von der die einzelnen Anteile der Wertpapiereigentümer abgeleitet und virtuell übertragen werden. Diese Virtualisierung der Wertpapierdepots brachte einige weitere Entwicklungen mit sich.
Der Wertpapiermarkt war ursprünglich so eingerichtet, dass man für eine bestimmte Urkunde einen Käufer finden musste, der eben genau dieses Wertpapier kaufen wollte. Wenn beispielsweise der Anteilsschein an einer Unternehmung auf ein Viertel des Gesamtwertes festgelegt war, konnte nicht jeder Interessent sich diesen Kauf leisten. Mit der Virtualisierung der Depots jedoch war die Stückelung der Wertpapiere auf der Angebots- und Nachfrageseite bedeutungslos geworden. Nun konnte praktisch immer zu jedem Angebot ein passender Abnehmer gefunden werden. Auch die Übertragung eines Depotinhaltes auf einen neuen Ort - also der Wechsel der Depotbank - geschieht nun virtuell. Außerdem wurde das Führen und Unterhalten eines Depots sehr viel günstiger, da für die Verwaltung virtueller Güter praktisch kaum Kosten anfallen. So wurden Wertpapierdepots für viele Menschen überhaupt erst bezahlbar.
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